Offiziell nennt die AWO Leopoldshöhe sie „Seniorentreffs“, aber die Teilnehmerinnen sagen „Klön-Nachmittage“. Das klingt nicht ganz so geschliffen wie der Marketing-Begriff, aber es trifft einen Nerv. Diese Klön-Nachmittage sind wichtig für diejenigen, die an ihnen teilnehmen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zu ihrer Lebensqualität. Das wird klar, wenn man mit den Teilnehmerinnen spricht. Und ja, es sind überwiegend Frauen.
In Leopoldshöhe gibt es gleich zwei Klönnachmittage – einen in Asemissen und einen „auf der Höhe“. Die Gründe dafür sind zum einen historisch: Früher gab es zwei verschiedene Ortsvereine. Aber sie sind auch geografisch: Die oft nicht mehr uneingeschränkt mobile Zielgruppe soll es möglichst leicht haben, zum Ort des Geschehens hinzukommen. Deswegen findet der eine Treff im B4 statt, gut erreichbar für Teilnehmerinnen aus dem Süden der Gemeinde, und der andere in der Senioren-Parkresidenz an der Herforder Straße, gut erreichbar vor allem aus Leopoldshöhe und Schuckenbaum.
Aber die beiden Angebote unterscheiden sich nicht nur durch ihre Lage. Auch die Gestaltung des Nachmittags ist verschieden: In Asemissen geht es eher ruhig zu. Klönen ist hier wirklich das entscheidende Wort. Außerdem werden an einigen Tischen Spiele gespielt. Das ist auf der Höhe anders: Spiele gibt es hier nicht, dafür aber eine kleine Show-Einlage zum Mitmachen: Es wird gesungen, es werden Witze erzählt oder Geschichten vorgetragen, meist von Co-Organisatorin Conni Böske. Manchmal hält auch ein eingeladener Gast einen kleinen Vortrag.
Wem es also in Asemissen zu ruhig zugeht, der kann nach Leopoldshöhe ausweichen. Und wer ein bisschen spielen möchte, der kann auch aus dem Norden nach Asemissen kommen – jedenfalls, wenn man noch ausreichend mobil ist.
Kaffee und Kuchen gibt es natürlich bei beiden Angeboten.
Die Klön-Nachmittage gibt es schon ewig. Der auf der Höhe begann schon in den 1970er Jahren in einem kellerlosen Raum unter dem Rathaus. Der Asemisser Treff geht mindestens bis in die 1980er Jahre zurück. Ursprünglich traf man sich hier in der alten Hausmeisterwohnung in der Grundschule Süd, dann in der Festhalle; als die abgerissen wurde, im Gemeinschaftsraum der katholischen Kirche in Greste; und nun im B4. Manche der heutigen Teilnehmerinnen waren schon in den frühen Jahren dabei, wenn auch eher als Organisatorinnen und Helferinnen. Anni Weitenhofer in Leopoldshöhe und Renate Reimeier in Asemissen haben jeweils mehrere Jahrzehnte die Treffen organisiert. Inzwischen haben beide die Seite gewechselt und sind „nur“ noch als Teilnehmerinnen dabei – verständlich! Aber wie kommt es, dass sie und so viele andere ihren Klön-Nachmittagen über Jahrzehnte die Treue gehalten haben?
Spricht man mit den Teilnehmerinnen, so hört man vor allem dieselben drei Gründe. Der wichtigste ist das Erleben von Gemeinschaft. Überraschend für Außenstehende: Es gibt bei beiden Klöns eine ziemlich feste Sitzordnung, die über die Zeit entstanden ist – „bei mir am Tisch“ sagen die Teilnehmerinnen und meinen damit: meine kleine Teilgruppe. Hier treffen sich jede Woche Gruppen von Freundinnen – auch wenn die zurückhaltenden Lipperinnen manchmal davor zurückschrecken, einander als „Freundinnen“ zu beschreiben. Gleichzeitig berichten aber auch alle „Neuen“ – die meist auch schon einige Jahre dabei sind – davon, dass sie herzlich aufgenommen wurden und an dem Tisch, der sie „adoptiert“ hat, sofort komplett integriert waren.
Aber nicht nur der Tisch ist wichtig, auch die Gruppe als Ganzes. Wenn etwa ein langjähriges Mitglied stirbt, dann wird im ganzen Raum gesammelt, um der Verstorbenen einen letzten Blumengruß ans Grab zukommen zu lassen. Es ist durchaus eine Gemeinschaft, die hier entsteht, alle zwei Wochen für ein paar Stunden.
Ein zweiter Grund: Einfach mal aus dem Haus kommen. Die Teilnehmerinnen sind zwar nicht alle im selben Alter – die Spanne reicht derzeit etwa von 65 bis 98 Jahren! Aber viele von ihnen haben inzwischen eines gemeinsam: ein leeres Haus. Eine „Klön-Karriere“ beginnt nicht selten mit dem Tod des Ehepartners. Insbesondere für die ältere Hälfte der Teilnehmerinnen bedeutet der Klön: Ich komme mal wieder unter Leute! Und das in einer organisierten Struktur, die genau dafür gedacht ist. Hier muss man keine Bekannten anrufen und mühsam ein Treffen im Café vereinbaren oder ähnliches – die Veranstaltung ist schon da. Man muss nur hingehen.
Für viele ist daraus eine Art Ritual geworden, manche nennen es sogar eine Art „Pflicht“, die man sich selbst auferlegt. An diesem Tag im Kalender, alle zwei Wochen, da geht man eben zum AWO-Klön. Das ist einfach so.
Der dritte Grund: Beim Klön, da wird man was gewahr! Mit anderen Worten: Man erfährt, was im Dorf so passiert ist. Dieser Grund verliert zugegeben inzwischen an Bedeutung. Zum einen kann man heutzutage schneller kommunizieren und muss nicht bis zum nächsten Klön warten – ein Tisch auf der Höhe hat sogar eine eigene WhatsApp-Gruppe! Und zum anderen kennt von den Teilnehmerinnern nicht mehr jeder jeden so gut, wie es früher in den kleineren Dorfgemeinschaften der Fall war. Nicht jedes Gerücht (oder jede Tatsache) ist mehr so spannend wie früher.
Dennoch: Wer den Überblick über die Dorf-Prominenz behalten möchte, der ist hier richtig.
Und dass es Kaffee und Kuchen zu einem unschlagbar günstigen Preis gibt, schadet natürlich auch nicht.
Zusammengefasst: Die Teilnehmerinnen – und die wenigen Teilnehmer – lieben ihre Klönnachmittage. Fragt man nach Verbesserungsvorschlägen, kommt: fast nichts. Trotzdem sorgen sich die meisten um die Zukunft der beiden Treffs: Die nächste Generation sei einfach nicht mehr dafür zu begeistern, sich einen Nachmittag lang einfach nur zusammenzusetzen und zu klönen. Die nächste Generation, das sind hier die jetzt ungefähr 70-Jährigen.
Dabei sieht man ja, dass die Klöntreffs sich auch wandeln können, und dass diejenigen, die dort hinkommen, auch Einfluss nehmen können. In Asemissen wird derzeit beispielsweise an gleich zwei Tischen mit Begeisterung „Triominos“ gespielt – ein Spiel, dass eine Teilnehmerin mitgebracht hat und das sich durchgesetzt hat. An einem anderen Tisch würden sie gerne Skat spielen, aber es sind nur noch zwei Skat-Spieler übrig, und man braucht bekanntlich drei. Die Rekrutierungsversuche für neue Mitspieler laufen. Man würde sich dort über jeden neuen Skat-Spieler – oder Spielerin – freuen, egal welchen Alters.
Nicht ganz verschweigen sollte man auch, dass es auch auf der anderen Seite der Kaffeekanne Nachwuchsprobleme gibt: Die Organisatorinnen haben auch noch Jobs und andere Verpflichtungen in ihrem Leben – oder sind selbst schon in einem Alter, in dem sie sich auch zu den Gästen setzen könnten. Annerose Friede in Asemissen war tatsächlich lange Teilnehmerin, bevor sie die Organisation übernahm – auch aus Dankbarkeit, weil sie durch den Klöntreff so gut Anschluss gefunden hatte, als sie nach Asemissen gezogen war.
Auf der Höhe musste wegen „Personalmangels“ die Häufigkeit des Treffs gerade auf einen Termin pro Monat verringert werden – hoffentlich nur vorübergehend.
Deswegen kann dieser Text nur mit einem Aufruf enden: Egal, ob als Teilnehmerin oder als Organisatorin oder Helfer – die Klönnachmittage sind einen Besuch wert. Sie können dem einzelnen viel Spaß bringen und sind wichtig für die Gemeinschaft im Ort. Es sei jedem geraten, einfach mal reinzuschnuppern – niemand dort beißt!
Außer in den Kuchen.
Haben Sie oder ein Familienmitglied Lust, mal vorbeizuschauen? Kommen Sie in Leopoldshöhe einfach vorbei: immer am zweiten Dienstag im Monat ab 14:30 Uhr.
In Asemissen: jeden zweiten Mittwoch ab 14:30 Uhr. Um nicht vor verschlossener Tür zu stehen, fragen Sie am besten kurz unter info@awo-leo.de den nächsten Termin an.
Möchten Sie bei der Organisation mithelfen? Kontaktieren Sie info@awo-leo.de oder Gerhard Schemmel unter Telefon oder WhatsApp 0171-5 325 393.